Physiotherapeut, Chiropraktiker oder Osteopath? Wer macht eigentlich was?

Korrektur des Sacrum
Korrektur des Sacrum

Berufsbezeichnungen werden in der heutigen Zeit immer kreativer und auch im Pferdebereich sprießen Therapeuten und Behandlungsnamen/-formen wie Pilze aus dem Boden. 

Doch welchen Therapeuten hole ich mir eigentlich wofür, was kann ich erwarten und was ist deren „Spezialgebiet“?
Ganz Pauschalisieren kann man diese Frage leider nicht, da es weder eine geregelte Ausbildung bzw. Ausbildungszeit gibt. Für den Pferdephysiotherapeuten und den Pferdeosteopathen existieren keine staatlich anerkannten Studiengänge und vereinfacht gesagt, könnte sich ab morgen jeder Tierheilpraktiker, Pferdephysio oder -Osteopath schimpfen (Chiropraktiker nicht, dieses anerkannte Studium ist Tierärzten vorbehalten). Es bleibt einem also trotzdem nicht erspart sich genau über den Therapeuten bzw. dessen Arbeit zu Informieren oder durch Kundenrezessionen/ Erfahrungsberichten zu stöbern. 
Ich möchte euch in diesem Blog die Gemeinsamkeiten/Unterschiede von Physiotherapie, Osteopathie und Chiropraktik näher bringen. Wie auch mir, wird es sicher auch einigen Kollegen so gehen, dass Kunden sie als Physiotherapeut anstatt Osteopath oder andersherum angesprochen werden. 
Ich habe mir aus dem Internet ein paar Definitionen herausgesucht, die die einzelnen Behandlungsformen gut beschreiben. Ich habe mich bewusst gegen die Dudenbezeichnung entschieden, da ich finde, dass bei dieser manche Behandlungsformen "heruntergespielt" werden.
Zuerst einmal der Chiropraktiker:
Als Chiropraktik bezeichnet man die Diagnose und Behandlung von Schmerzen und Funktionsstörung des Bewegungsapparates. Im Mittelpunkt stehen hierbei das Becken und die Wirbelsäule.
Kommt also ein Chiropraktiker zu euch wird er sehr viel von "oben" arbeiten und den Schwerpunkt selbstverständlich wie oben Beschrieben auf die Wirbelsäule und das Becken richten.
Selbstverständlich schaut er sich aber zuvor  das Pferd in einer Ganganalyse an und beurteilt, wo das Pferd Probleme hat bzw. wie er sie beheben kann. Er versucht dies eben nur mit dem Schwerpunkt auf der Wirbelsäule.
Manko:
- es wird nicht immer im natürlichen Bewegungsspektrum des Pferdes gearbeitet
- Wirbel/ Gelenke werden meist mehr manipuliert als mobilisiert 
- untere Extremitäten werden meist nicht berücksichtigt 
Der Osteopath:
Die Osteopathie dient dem Erkennen und Behandeln von Funktionsstörungen. Der Ansatz der Osteopathie ist einfach erklärt: Dort wo Bewegung verhindert wird, macht sich Krankheit breit.
Ein Osteopath schaut sich ebenfalls das Pferd zuerst im Gang an, um festzustellen, wo das Pferd Probleme hat. Im Anschluss daran behandelt er die gefundenen Probleme dann genau dort, wo er sie lokalisiert hat: Bei Problemen an der Vorhand behandelt er die Vorhand, usw.... Ich weiß natürlich nicht wie das meine Kollegen handhaben, aber ich behandle trotzdem immer das komplette Pferd. Ich untersuche also ähnlich wie ein Physiotherapeut im Anschluss an das Gangbild alle Gelenke in der passiven Bewegung. Bei Bewegungseinschränkung behandle ich diese dann innerhalb des natürlichen Bewegungsspektrum des Pferdes und zu guter Letzt die komplette Wirbelsäule.
Manko:
- bleiben oft auf dem alt erlernten Stand stehen (da keine offiziellen Weiterbildungen)
- es gibt viele rein energetische Osteopathen 
- Gefahr von minder ausgebildeten Therapeuten (da kein anerkanntes staatliches Studium bzw.    Ausbildung)
Der Physiotherapeut:
Physiotherapie umfasst die physiotherapeutischen Verfahren der Bewegungstherapie sowie die physikalische Therapie. Physiotherapie nutzt als natürliches Heilverfahren die passive und aktive Bewegung des Pferdes und den Einsatz physikalischer Maßnahmen zur Heilung und Vorbeugung von Erkrankungen.
Ein Physiotherapeut startet auch mit der Ganganalyse ihres Pferdes und begutachtet im Anschluss daran die Gelenke und Muskeln während einer passiven Bewegung. Im Gegensatz zum Osteopathen versucht er dann aber im Anschluss an diese Befundung durch die Behandlung der Muskeln die natürliche Bewegung des Pferdes wieder herzustellen. Dabei greift er gerne auch zu Hilfsmitteln wie "Wärmeanwendungen", Reizstrom, usw.
Manko: 
- es gibt oft 14- Tage Seminare in denen man zum Physiotherapeuten ausgebildet wird
- bleiben oft auf dem alt erlernten Stand stehen (siehe Osteopath)
- teilweise zu wenig Wissen über das Gesamtbild (Hufe, Sattel, Zähne usw. die ebenfalls Auslöser von Problemen sein können) 
Mobilisation der HWS
Mobilisation der HWS

Eine wichtige Gemeinsamkeit ist also, dass alle drei Therapeuten das Pferd vorab in einem Gangbild begutachten, um das Problem des Pferdes lokalisieren zu können.


Alle drei Therapeuten wollen dieses dann Beheben, nur eben auf unterschiedliche Wegen:
Der Chiropraktiker versucht dies mit Hilfe der Korrektur der Wirbel und Becken,
der Physiotherapeut durch das lockern der Muskulatur/ lösen der Blockaden innerhalb der Muskulatur und der Osteopath durch das Korrigieren der Gelenke und der Wirbelsäule.

Natürlich sollte man sich trotzdem darüber informieren, was der Therapeut alles anbietet:
Jeder Therapeut auch innerhalb der einzelnen Bereiche hat seine eigenen Therapieformen/Hilfsmittel zur Unterstützung. Mir als Osteopath ist z.B. durchaus bewusst, dass sich Muskeln verändern, wenn ein Gelenk, wie z.B. das Becken verschoben ist. Deshalb habe ich z.B. ein Reizstromgerät, was man aber rein von der Einteilung her bei einem Physiotherapeuten erwarten würde. Ebenfalls kann man sich weiterbilden, wie z.B. in manuellen Therapien, um ebenfalls besser auf Muskulatur eingehen zu können.
Chiropraktiker hingegen sind meistens Tierärzte, weshalb sie natürlich noch ganz andere Methoden anbieten können bzw. sich ebenfalls in anderen Gebieten weitergebildet haben. Viele Therapeuten bilden sich auch im Bereich des Tapings weiter, welches ebenfalls auf die Muskulatur abzielt. Wenn ihr nun also das nächste mal einen Therapeuten für euer Pferd holt, könnt ihr dies nun vielleicht gezielter tun. 

Ich kann euch also nur ans Herz legen, informiert euch bevor ihr einfach irgendjemand an euer Pferd lasst. Es ist nun auch nicht immer gerade wenig Geld, dass man für seinen treuen Vierbeiner hinlegt. Keiner von uns ist ein Wunderheiler, und jeder versucht auf seine Art und Weise das Beste zu geben - trotz allem gibt es leider immer wieder ein paar schwarze Schafe in unseren Berufen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Antonia (Dienstag, 24 März 2020 11:54)

    Unter welche Kategorie fällt die Behandlungsform der Akupunktur?