Der Pferderücken - eine ewige Baustelle

 

Für mich als Osteopath ist dies eines der wichtigsten Themen beim Pferd: 

 - Der Rücken -

 

Über nichts wird so viel diskutiert, wie über den „richtigen“ Sattel, die „richtige“ Reitweise oder sogar darüber ob es nicht gleich am besten wäre ganz ohne Sattel zu reiten.  Eine der häufigsten Fragen, die sich so gut wie jeder einmal stellt ist, was ich denn alles machen kann um die Rückenmuskulatur des Pferdes wieder aufzubauen.

 

Deshalb will ich zuerst einmal, wie schon viele vor mir, darauf eingehen  wofür die Rückenmuskulatur des Pferdes überhaupt da ist und Parallelen zum Menschen ziehen.

Ähnlich wie beim Menschen ist die Rückenmuskulatur vom Pferd nämlich keine Tragemuskulatur, sondern hat ganz andere Aufgaben. Sie ist zum einen dafür da, dass die Wirbelsäule des Pferdes frei schwingen kann und zum anderen, um die Energie des Pferdes ideal von der Hinterhand auf die Vorhand zu übertragen. Man kann ein Pferd mit Sattel und Reiter in gewisser Weise wie einen Wanderer mit Rucksack betrachten. Sitze ich auf dem Pferd und gehe einfach ausreiten, dann ist das wie wenn ich mit einem Rucksack spazieren gehe. Jeder, der schon einmal wandern war kennt dieses Gefühl. Alles fällt einem ein bisschen schwerer und wenn man dann endlich wieder daheim ist, merkt man, dass man in Beinen einen Muskelkater hat.

 

Einem Pferd geht es da meist nicht anders. Erst mit der Regelmäßigkeit trainieren wir dem Pferd mit der Arbeit mit Sattel Ausdauer und Muskulatur an. Aber wer von uns kennt es nicht, man geht los und stellt fest, dass die Wasserflasche im Rucksack irgendwie auf den Rücken abrückt und es anfängt weh zu tun. Also wieder Rucksack runter und von neuen einpacken. Dies kann dann schon ein paar Minuten dauern, bis man es endlich geschafft hat, dass dieser dann bequem liegt. Denn jeder weiß, was  einen erwartet, wenn man nach einer langen Wanderung heimkommt und der Rucksack nicht gepasst hat. Der ganze Rücken tut weh, man kann sich kaum mehr oder nur noch kriechend bewegen und  will einfach nur noch eins: In die Badewanne.

 

Doch passt beim Pferd der Sattel mal nicht, oder der Reiter hat das Gewicht ungleich auf dem Pferd verteilt kann es schlecht den Reiter und den Sattelabladen und solange herumdoktern bis es ihm angenehm ist. Dies bedeutet, dass das Pferd am Ende des Rittes wieder Rückenschmerzen hat und mit Taktunreinheiten läuft. Die erste Frage die ich mit diesem Beispiel gleich beantworten will ist diese: Kann man einen weggedrückten Rücken mit einem Sattel wieder aufbauen.

Veranschaulicht man sich noch einmal das Bild, dass ich oben gemalt habe wird mir jeder sicher zustimmen, dass dies nahezu ein Ding der Unmöglichkeit ist.

Eine weitere  Frage, die sich in diesem Zusammenhang immer stellt, ist, ob man die Rückenmuskulatur selbst wieder auftrainieren kann. Auch hier möchte ich die Parallele zum Menschen ziehen. Jeder, der schon einmal seinen Rücken trainieren musste kennt einige der Übungen. Eine von unzähligen und eine der effektivsten Rückenübungen ist  z.B. dass man sich auf den Bauch legt und dann wild mit Armen und Beinen rudert. Dies ist beim Pferd natürlich nicht möglich und würde noch dazu ein sehr bizarres Bild abgeben.  Aber jeder, der selbst schon einmal ein Hohlkreuz hatte, weiß, dass man die Bauchmuskeln trainieren muss um dieses wieder weg zu bekommen. Vereinfacht gesagt ist dies beim Pferd nichts anderes. Man braucht Übungen, die die Bauchmuskulatur beanspruchen in Kombination mit Übungen, die das Pferd „rund“ machen bzw. die Hinterhand trainieren.

 

Viele Reiter hoffen sich der unzähligen Sattler und welche Art-von-Sattel Diskussion zu entziehen, indem sie sich einfach einen Fellsattel kaufen oder gar ohne Sattel reiten. Hierzu würde ich euch gern zu einer Überlegung anregen. Auch beim Menschen gibt es viele verschiedene Rucksäcke: Wanderrucksack, Schulrucksack, Skateboardrucksack, usw. Auch ich meinte in der Mittelstufe zu cool für meinen großen, klobigen Rucksack zu sein und kaufte mir einen dieser flachen ohne jegliche Polsterung am Rücken. Je mehr Bücher ich am Rücken trug umso mehr bereute ich den Rucksack, da all die Bücher mir auf meinen Rücken drückten und die Kanten oft durchbohrten. Bei einem Pferd ist dies das gleiche. Der Sattelbaum dient zur Druckverteilung des Reitergewichts ähnlich wie beim Rucksack die Stabilisatoren. Ohne Sattelbaum ist eine Druckverteilung also nicht möglich und dem Pferd geht es wie jedem, der auf die schlaue Idee gekommen ist mit seinem Skaterrucksack wandern zu gehen. Damit möchte ich sagen, man muss den Fellsattel nicht grundsätzlich über Bord werfen. Bei einem gut bzw. korrekt bemuskeltem Pferderücken spricht nichts gegen einen gelegentlichen gemütlichen Ausritt genauso wenig wie der Skaterrucksack für einen gemütlichen Spaziergang.

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